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Hallo
Wahlkreis!
Liebe
Genossinnen und Genossen,
was
in dieser Bundesregierung abgeht, geht auf keine Kuhhaut mehr. Das
zweite Krisentreffen der Koalitionsspitzen innerhalb von 150 Tagen
und immer wieder neues Streitpotential. Jetzt streitet sich die
selbsternannte „christlich-liberale“ Koalition sogar schon über
das Verhalten der katholischen Kirche. Wohin soll das noch führen?
Warum beginnt die Kanzlerin nicht einmal zu führen? Besteht das
Führen im Einsetzen von Arbeitsgruppen? Moment- dann habe ich da
wohl irgendwas falsch verstanden…Nichts desto weniger sind wir sehr
gespannt, zu welchen Ergebnissen die Arbeitsgruppen kommen – vor
allem die neue Arbeitsgruppe im Gesundheitsministerium… und wann
diese Ergebnisse präsentiert werden. Es bleibt also spannend!
Herzlichst,
eure
Sabine
Topthema
Sozialstaatsdebatte
– Frau Merkel, Sie sind gefragt!
Der
von Guido Westerwelle losgetretene Angriff auf den Sozialstaat ist
zunächst einmal ein Ablenkungsmanöver. Offenbar ist bei
FDP-Funktionären Panik ausgebrochen. In der „Mövenpick-Partei“
herrscht Fracksausen, weil man erst eine Million an Spenden kassiert
und dann eine Milliarde an Steuerprivilegien zurückgereicht hat.
Um
den Verdacht der Käuflichkeit abzuschütteln, geht Westerwelle jetzt
auf Menschen los, die keine Arbeit haben. Angela Merkel glaubt, der
Außenminister habe sich im Ton vergriffen. Sie ist aber in dieser
Debatte nicht als Anstandsdame gefragt. Sie müsste in der Sache
Farbe bekennen, um ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Denn nicht
die Krawallinszenierung eines Politrowdis ist der Skandal.
Entscheidend ist das Denken hinter den Worten. Die FDP stachelt das
Ressentiment von Schwachen gegen noch Schwächere an. Sie spielt
Menschen mit Armutslöhnen gegen Arbeitslose aus. Und sie tut das
sehr bewusst, damit niemand mehr nach der schamlosen
Selbstbedienungsmentalität von Einkommensmillionären, Spekulanten
und Steuerhinterziehern fragt. Die Partei der Besserverdiener wurde
dabei ertappt, wie sie den Staat plündert und Klientelgeschenke
verteilt. Statt Einsicht zu zeigen, steigert sich der
Parteivorsitzende in aggressiven Rechtspopulismus. Was ist dran am
Westerwelle-Vorwurf, dass Arbeit sich in Deutschland nicht mehr
lohnt? Da ist mehr dran, als ihm lieb sein kann. Denn niedrige
Löhne machen es für viele Menschen unmöglich, von ihrer Arbeit zu
leben. Viele arbeiten den ganzen Tag und müssen trotzdem noch
Sozialhilfe beantragen. Das ist der fundamentale Verstoß gegen das
Prinzip der Leistungsgerechtigkeit. Das zerstört die Glaubwürdigkeit
der Sozialen Marktwirtschaft. Das entwertet die Arbeitsleistung. Das
würdigt die Menschen herab, die hart arbeiten.
Aber
gerade das interessiert die FDP nicht. Die Partei kennt bei Löhnen
genau wie bei Sozialleistungen offenbar nur eine Richtung: die nach
unten. Wer wie die FDP Mindestlöhne verweigert und stattdessen
Sozialhilfe plus Hinzuverdienst durch Billigjobs propagiert,
verschärft das Problem, das er beklagt: Immer mehr Menschen geraten
in die Abhängigkeit von staatlichen Lohnersatzleistungen.
Immer
mehr Steuergeld muss aufgebracht werden, um Dumpinglöhne
aufzustocken. Nicht zu vergessen, dass die FDP mit der Einführung
der Kopfpauschale noch 30 Millionen gesetzlich Krankenversicherte,
die den Sozialausgleich beantragen müssen, in eine monströse
bürokratische Bedürftigkeitsprüfung zwingt. Das ist der Marsch in
eine Gesellschaft von Bittstellern und Transfergeldempfängern.
Gute
Tariflöhne, gesetzliche Mindestlöhne, bessere Qualifizierung,
Sozialabgabenentlastung für Geringver-diener statt
Einkommenssteuergeschenken für Besser-verdiener – das stärkt den
Leistungsgedanken und das hilft denen, die Arbeit suchen, genau so
wie denen, die Arbeit haben. Die FDP braucht keinen Kurs in
Benimmregeln. Sie muss zur Fortbildung in Sachen Wirtschaftspolitik.
Auch
in der CDU Nordrhein-Westfalens wächst die Nervosität darüber, wie
sehr Schwarz-Gelb den Vorwurf der Klientelpolitik und den Verdacht
der Käuflichkeit politischer Entscheidungen auf sich gezogen hat.
Gegen diesen Eindruck hilft auch nicht, dass Jürgen Rüttgers
Privataudienzen für 20.000 Euro anbietet. Und dass Unternehmer ganz
offen sagen, ein Platz am Tisch des Ministerpräsidenten habe sie
eine fünfstellige Summe an die CDU gekostet.
Bundestagspräsident
Lammert fordern wir auf, schnellstmöglich zu prüfen, ob die CDU mit
einer neuen Variante illegaler Spendenpraxis gegen das Parteiengesetz
verstoßen hat. CDU-Generalsekretär und Wahlkampfleiter Hendrik Wüst
ist inzwischen zurückgetreten. Aber nicht der Sekretär, sondern der
Chef muss sich für diese Korruption der Politik verantworten. Über
Rüttgers richten am 9. Mai die Wählerinnen und Wähler.
Die
Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hat eine entscheidende Bedeutung für
ganz Deutschland. Diese Wahl ist eine Abstimmung darüber, ob
Schwarz-Gelb den finanzpolitischen Blindflug in den Schuldenstaat
fortsetzen kann oder zu Verantwortung und Rechenschaft gezwungen
wird. Die Wahl ist eine Abstimmung darüber, ob Schwarz-Gelb mit
einer neuen Welle von Steuersenkungen auf Pump die Kommunen und ganz
besonders die Städte und Gemeinden an Rhein und Ruhr in den
Ruin treibt. Und vor allem ist die Wahl eine Abstimmung über die
Kopfpauschale. Die soziale Spaltung bei der Gesund-heitsversorgung
kann aufgehalten werden.
In
Nordrhein-Westfalen geht es um die Bundesratsmehrheit von Union und
FDP. In NRW können wir Schwarz-Gelb stoppen.
Außenpolitik
Afghanistan-Einsatz
– Namentliche Abstimmung
Am
heutigen Freitag haben wir in namentlicher Abstimmung über das neue
Afghanistan-Mandat abgestimmt. Diese Abstimmungen sind mit die
Schwersten, die wir in unserer Parlamentszeit zu treffen haben. Es
sind absolute Gewissensentscheidungen. Vor diesen Entscheidungen
lässt man sich mehrfach aus verschiedenen Richtungen informieren,
wägt ab und muss dann aber letztendlich entscheiden. So war es auch
dieses Mal. Es ist nicht leicht gefallen – gerade vor den
Ereignissen, die in Kundus vor wenigen Wochen geschehen sind.
Trotzdem
habe ich zugestimmt.
Meine
Beweggründe waren folgende:
Das
neue Mandat enthält zum ersten Mal den Strategie-wechsel hin zu
einem Abschluss der Afghanistan-Mission. Die SPD als Ganzes hat in
dieser Frage Meinungs-führerschaft bewiesen und die politische
Diskussion nicht nur in Deutschland geprägt. Viele Partner in Europa
haben sich unserem Weg angeschlossen. Es ist der Weg der
Verantwortung, der Weg der Verlässlichkeit gegenüber unseren
Bündnispartnern und der Weg der Solidarität mit den Menschen in
Afghanistan. Die Bundesregierung hat den Anforderungen der SPD an das
neue Mandat weitgehend entsprochen: Die Verstärkung der zivilen
Aufbaumittel und der Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte,
der Beginn des Abzugs deutscher Soldaten ab 2011 und der Abschluss
ihres Einsatzes im Einklang mit den Plänen der afghanischen
Regierung zwischen 2013 und 2015 wurden aufgenommen. Aber diese
Entscheidung ist kein Freifahrtschein. In den kommenden 12 Monaten
der Mandatslaufzeit prüfen wir, ob die Bundesregierung ihre Zusagen
einhält. Das betrifft den Umgang mit der so genannten „flexiblen
Reserve“, die nächsten Schritte einer Übergabe beruhigter
Regionen in afghanische Sicherheits-verantwortung und die
Vorbereitung der Truppen-reduzierung.
Inneres
Kinderpornografie
– Löschen statt sperren!
Die
am Montag stattgefundene öffentliche Sitzung des
Petitionsausschusses war eine besondere. Die Petentin, Frau Heine,
hat in kurzer Zeit mehr als 134.000 Unterstützer für ihr Anliegen
gefunden. Das ist die höchste Zahl an Unterstützer, die eine
öffentliche Petition jemals erreicht hat. Die zweite Besonderheit
betrifft das Anliegen der Petition. Es geht um das
Internetsperren-Gesetz, von dem sich gerade die Union und FDP in
einem rechtlichen und politischen Wirrwarr abgewandt und eine
juristisch unhaltbare Aussetzung des Gesetzes für ein Jahr
vereinbart haben.
Die
Diskussion in der öffentlichen Sitzung des Petitionsausschusses hat
die Erkenntnis bestätigt, dass Internetsperren wenig
effektiv, ungenau und technisch ohne großen Aufwand zu umgehen sind.
Sie leisten somit keinen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung der
Kinderpornografie und schaffen zudem eine Infrastruktur, die von
vielen zu Recht mit Sorge gesehen wird. Deshalb wollen wir eine
politisch vertretbare und juristisch tragbare Lösung. Das Prinzip
"Löschen statt Sperren" ist richtig und kann schon jetzt
auf der Grundlage des bislang geltenden Rechts konsequent angewandt
werden.
Ein
symbolisches Löschgesetz, wie es die Regierungs-koalition
offensichtlich plant, ist somit nicht notwendig. Nun sind gesetzliche
Schritte notwendig, um die von vielen Seiten geforderte
Rechtssicherheit herzustellen. Statt einer rechtlich unhaltbaren
Aussetzung des Gesetzes durch die Bundesregierung wird unsere
Bundestagsfraktion in dieser Woche ein Gesetz in den Bundestag
einbringen, um das Zugangserschwerungsgesetz aufzuheben und somit
Internetsperren die rechtliche Grundlage zu entziehen. Gleichzeitig
fordern wir die Aufhebung der einschlägigen BKA-Verträge, durch die
bereits die Sperrinfrastruktur weitgehend aufgebaut wurde.
Wir
sind vom schwachen Auftritt des Bundesinnen-ministeriums und des
Bundesfamilienministeriums enttäuscht. Beide Ministerien ließen
sich durch die Arbeitsebene vertreten.
International
Westerwelle
– Klientelpolitik auch im Ausland!
Ein
genauer Blick auf Guido Westerwelle gibt Klarheit, für was er
eigentlich steht. Das Honorar, das Guido Westerwelle für einen
Vortrag von der LGT-Bank Schweiz AG, einer Tochter der
Liechtensteiner LGT-Group erhalten hat, wirft brisante Fragen auf.
Auch
wenn die Zahlung juristisch nicht zu beanstanden sein sollte,
verstärkt sie doch den Eindruck der Klientelpolitik durch
Westerwelle.
Es
ist doch zumindest merkwürdig, dass sich Guido Westerwelle in der
Debatte um den Ankauf von Daten deutscher Steuersünder auffällig
zurückgehalten hat. Er sollte möglichst schnell Klarheit über sein
Verhältnis zu Liechtensteiner und Schweizer Banken schaffen.
Finanzen
Gewerbesteuer
– Abschaffung für Kommunen tödlich!
Nach
dem heute bei der schwarz-gelben Regierungs-koalition auf der
Tagesordnung stehenden Kabinetts-beschluss zur Einsetzung einer
"Kommission zur Erarbeitung von Vorschlägen zur Neuordnung der
Gemeindefinanzierung" steht fest: die Gewerbesteuer soll
abgeschafft werden.
Diesen
Angriff auf die vom Deutschen Städtetag, Deutschen Städte- und
Gemeindebund und Deutschen Landkreistag gleichermaßen verteidigte
selbständige Einnahmequelle konnten wir in der Vergangenheit
erfolgreich abwehren.
Es
ist uns sogar gelungen, die Gewerbesteuer für die Kommunen
berechenbarer zu machen. Wir werden uns auch weiterhin erneut mit
allen Mitteln gegen diesen Politstreich zur Wehr setzen.
Die
besondere Ironie besteht darin, dass alle kommunalen Spitzenverbände
zu dieser Beerdigung erster Klasse eingeladen werden sollen.
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